Und Jesus zog mit seinen Jüngern in das Gebiet von Cäsarea Philippi. Und auf dem Wege fragte er die Jünger: Für wen halten mich die Menschen? Sie antworteten: Die einen halten Dich für Johannes den Täufer, die anderen für Elias, wieder andere für einen Propheten. Dann fragte er sie selbst: Und ihr, für wen haltet ihr mich? Da antwortete Petrus: Du bist der Christus. Und er schärfte ihnen ein, mit niemand über ihn zu sprechen.

Und er fing an, sie zu unterweisen: Der Menschensohn muss viel leiden und dem Untergange preisgegeben werden durch die Ältesten und Hohenpriester und Schriftgelehrten: und er wird getötet werden und nach drei Tagen auferstehen. Er sprach dieses Wort ganz frei und offen aus. Da nahm ihn Petrus beiseite und fing an, ihm Vorhaltungen zu machen. Er aber wandte sich um und sah seine Jünger an und erhob abwehrend die Hand gegen Petrus und sprach: Weiche zurück von mir, aus dir spricht der Widersacher; du hast keine göttlichen, sondern nur menschliche Gedanken.

Und er rief die Menge zusammen samt seinen Jüngern und sprach: Wer mir nachfolgen will, der muss Selbstverleugnung üben und sein Kreuz auf sich nehmen; nur so kann er mir nachfolgen. Denn wer nur auf die Rettung seiner Seele bedacht ist, der wird sie verlieren, wer aber seine Seele zu verlieren bereit ist, weil er mir und dem Evangelium dienen will, der wird das Heil der Seele finden. Welchen Nutzen hätte der Mensch, wenn er die ganze Welt gewänne und doch in seiner Seele verarmte? Was könnte ein Mensch als Lösegeld geben für seine Seele? Wer in der gegenwärtigen Menschheit, die ihre Ehe mit dem Geist gebrochen und sich den Mächten der Tiefe verschrieben hat, mein Ich und meine Worte verschmäht, den wird der Menschensohn auch verschmähen, wenn er im offenbarenden Lichte seines Vaters sichtbar wird, inmitten der hochheiligen Engelreiche.         Markus 8, 27-38

Predigt von Ralf Steinhoff, Pfarrer in Wuppertal

Wenn wir krampfhaft etwas festhalten, sind wir in der Regel handlungsunfähig,
wir haben dann keine Hände mehr, die handeln können,
denn sie sind mir dem "Festhalten" beschäftigt.

Wenn du loslässt, hast du die Hände frei - so sagt ein altes Sprichwort.
Frei - um Raum zu schaffen, etwas zu gestalten, ja Neues entstehen zu lassen.

Nun, nicht nur unsere Hände,
sondern auch unsere Gedanken können krampfhaft etwas festhalten,
nämlich ein Bild, das wir von uns haben, und von unserem Leben haben,
und damit uns und das Leben selbst festlegen und festhalten.

Das wohl stärkste Bild, das uns das Leben vorhält,
und woran wir alle festhalten,
ist die Macht des Todes als Endlichkeit auf Erden.
Selbst ein Petrus ist von diesem Lebensbild noch so durchdrungen,
dass er daran festhalten muss.

Gelingt es uns aber solche Vorhaltungen und Vorstellungen allmählich loszulassen,
ist es möglich, sehen zu können, was wirklich zu uns und unserem Leben gehört,
weil unser Blick frei wird für das, was das wahre Leben ist.

Diesen Durchblick können wir auch im Mitvollzug der Menschenweihehandlung erfahren,
in Freiheit immer wieder loslassen zu lernen, ja uns selbst hinzugeben,
um der Wahrheit zu dienen.

Ja, mit ihr zu sein, zu wachsen und zu werden,
um einst das Wesen des Christus als den Sohn des "Lebendigen Gottes" zu erkennen,
weil wir loslassen können.

Ja, so sei es!