Der Gottesdienst in der Christengemeinschaft und die Predigt

Echte Handarbeit. Das soll jeder Gottesdienst in der Christengemeinschaft sein. Die Priesterpersönlichkeit will zusammen mit der Gemeinde, den Ministranten, sowie gegebenenfalls den Musikern eine sakramentale Handlung vollbringen. Sie dient dem Hereinwirken des göttlichen Wesens, das auf der „Schädelstätte“ Golgatha in den Tod ging, zum Heil der Menschen und der Erde. Kein Mikrofon wird verwendet, keine Aufzeichnungen sollen das Wirken des Moments mumifizieren (CDs oder Videos des Gottesdienstes), am Altar müssen echte Kerzen brennen. Die Menschenweihehandlung soll allein aus der Gnade Christi durch die Menschen wirken. Sie lebt in der Gegenwart, und wird somit nur von den Anwesenden authentisch erfahren.

Auch aus den genannten Gründen ist die Christengemeinschaft in ihrer Selbstdarstellung im Internet sehr zurückhaltend. Nach ihrer Auffassung können wirksame spirituelle Wirkungen nicht mit technischen Hilfsmitteln erzielt werden. Also ist die Website in erster Linie Information in abstrakter Form. Wer erfahren will, was die Christengemeinschaft will, der muss hingehen und es eben erleben. Niemand in der Christengemeinschaft glaubt, ein TV –Gottesdienst mit 10.000 Zusehern wäre in de Wirkung auch nur annähernd so stark, wie ein authentischer christlicher Gottesdienst vor 100 Menschen, die physisch und seelisch anwesend sind.

Predigt richtet sich zu einem bestimmten Zeitpunkt des Jahres an die gerade anwesende Gemeinde und wirkt am besten von Mund zu Ohr im Weiheraum. Deswegen vermittelt eine im Internet veröffentlichte Predigt nicht alles von dem, was im Weiheraum geschah.
Dennoch möchten wir es wagen, einige von ihnen zu veröffentlichen.

Zum Predigtstil in der Christengemeinschaft

Eine Art oberste Direktive lautet: Nicht Moralisieren! Vielmehr soll im Anschluss an die Lesung des Wochenevangeliums und in Bezug auf eben diese Evangelienstelle das Denken und Empfinden der Anwesenden angeregt werden. Die Beweglichkeit des Innenlebens in der Gemeinde ist zu fördern, das Denken ein wenig aus der Verkrustung zu holen. Typisch ist der häufige Bezug auf die innige Verbindung von Mensch und Erde, die spirituell zu durchdringen ist. Gerne geschieht dies in Fortführung der Naturereignisse im Jahreslauf.
Keinesfalls soll die Seele auf den Christus nur im Jenseits verwiesen werden, zu einer Religion, die den Alltag flieht.
Die lebensvollen Bilder sollen die Lebenskräfte stärken, die unsere Konstitution tragen und bis in die Willenstiefen des Menschen kräftigend wirken. Der freie Wille des Einzelnen soll nicht gedämpft, sondern gekräftigt werden, um seine individuellen Entschlüsse ausführen zu können.

Die oben genannten Wirkungen gehen in erster Linie vom kultischen Geschehen in der Menschenweihehandlung aus. Die Predigt trägt nur dazu bei.
Die Predigt ist ein verhältnismäßig kurzer Teil des Gottesdienstes. Während der Predigt trägt der Priester die kultische Kopfbedeckung. Er nimmt, wie es gelegentlich ausgedrückt wird, den Inhalt auf die eigene Kappe. Sie ist der individuell gestaltbare Teil des Gottesdienstes.

Durch das Altarsakrament, keineswegs als bloßes Symbolum gemeint, will dem Teilnehmer am Gottesdienst lebendige Kraft gespendet sein, damit er zu einer christlichen Wandlung (allmählich) fähig wird. Es ist hierbei weniger der gute Vorsatz in der Einzelseele gemeint, oder die persönliche Einsicht in Gut und Böse, sondern die innere Kraft das Rechte auch zu tun.
Die gesamte Menschenweihehandlung dauert etwa eine Stunde, die Predigt in der Regel etwa sieben Minuten.

Wer also die Predigt einer bestimmten Woche hier liest, sollte Folgendes bedenken:

  • Sie bezieht sich auf eine bestimmte Evangelienstelle und eine spezifische Seelenlage der Gemeinde zum Predigtdatum, nimmt eventuell auch Bezug auf die aktuelle Weltlage.
  • Die Predigt ist Hervorbringung eines bestimmten Priesters.
  • Sie ist in ihrer Bedeutung der am wenigsten wichtige Teil des Gottesdienstes in der Christengemeinschaft.

Reinhard Apel