Evangelium und mein Leben

HIMMELFAHRT

von Engelbert Fischer, Pfarrer in Graz

In der Welt habt ihr Angst. Aber fasset Mut, ich habe die Welt überwunden! (Jo 16)

Was die Jünger beim Ereignis der Himmelfahrt erlebten - den Übergang vom Erdendasein zum Wolkensein, also das Groß- und Größerwerden der Gestalt des Auferstandenen, der der Anschauung entschwindet, um gleichzeitig noch mehr da zu sein -, das haben diejenigen im Bilde vor Augen, die die Menschenweihehandlung kennen. Wenn nämlich der Weihrauch sich entfaltet und aufsteigt, werden aus kleinen, harten Harzkörnchen Wolken die aufsteigen und im Aufsteigen immer weniger sichtbar werden - dafür aber den ganzen Raum erfüllen. Und ob man es will oder nicht: Etwas davon tragen alle in ihren Kleidern ...

Christus entschwand der Anschauung seiner Jünger. Er ging über in die Atmosphäre der ganzen Erde, um überall und immer da zu sein. Das Leben unserer ganzen Erde und unserer ganzen Menschheit ist davon durchdrungen, ob einer das nun will oder nicht.

Unsere Seelen zu Ihm wenden heißt daher nicht mehr, den Blick sehnsüchtig in ferne Himmel zu heben, sondern selbst zu versuchen, unsere Erde und unsere Menschheit mit unserem Bewusstsein zu umfangen - wie Er. Das tun ja viele, viele Zeitgenossen. Wenn sie wüssten, was sie da tun ...

In solchen Momenten gibt es wohl Sorgen um, aber keine Angst vor der Zukunft mehr, denn da leben wir nicht mehr "in der Welt", wo die Angst waltet, sondern haben mit Ihm "die Welt überwunden" im trotz allem liebenden Umfangen.