Wie Evangelium in mein Leben spricht

WENN DAS VERBORGENE SICH ENTHÜLLEN WILL

Engelbert Fischer, Pfarrer in Graz

Und ich wandte mich um, um zu sehen die Stimme, die da zu mir sprach. Und als ich mich umwandte, sah ich: sieben goldene Leuchter, und inmitten der Leuchter einer wie eines Menschen Sohn: angetan mit einem lang herabwallenden Mantel, gegürtet um die Brust mit einem goldenen Gürtel. Sein Haupt und seine Haare waren weiß wie gebleichte Wolle, ja, weiß wie Schnee. Seine Augen: wie Feuerflammen. Seine Füße: wie Erz, das glühend aus dem Feuerofen kommt. Seine Stimme war wie das Rauchen gewaltiger Wassermassen, und aus seinem Munde ging hervor ein scharfes, zweischneidiges Schwert. Und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne in ihrer vollen Kraft. (Apk 1, 13f)

Warum konnte sich dem Seher Johannes das zeigen, was aus dem Menschen einmal werden soll: des Menschen Sohn in seiner Vollgestalt und kosmischen Größe? Das konnte sein, weil er sich umwandte, um zu sehen, wer das war, dessen Stimme er hört hatte. Wer das war, der sein Denken und Wollen mit Kraft und Mut erfüllte, weil er ihn dann hinter sich wissen konnte, und: der ihm kein Fremder war.

Es ist ja gar nicht so selten, dass einem jemand ins Gemüt einredet und sagt: Was du da vor dir siehst, das musst du machen, auch wenn es vielleicht nicht so angenehm ist. Oder ein andermal: Das lässt du besser sein! Man sagt dann schnell: Na ja, das Gewissen halt. Weil es nicht mit Posaunenton spricht, sondern eher gedämpft und still. Und weil sich nicht gleich die volle Sonne zeigt, wenn wir uns ihm zuwenden. - Aber, dass das kein Fremder ist, dass er unser Denken und Wollen erkraftet und ermutigt, dass er uns den Rücken stärkt und uns nicht alleine lässt mit dem jeweiligen Auftrag - das merken wir wohl!

Die Stimme des Gewissens nicht nur hören, sondern sich um- und hinwenden - das klingt so harmlos. Ist es aber nicht. Es ist ein Beginn des Lebens mit Ihm.