Evangelium und mein Leben

IN DER ZEIT, WENN APOKALYPSE SPRICHT

Engelbert Fischer, Pfarrer in Graz

Und ich sah den Himmel aufgetan. Und siehe: ein weißes Pferd, und einer darauf saß, hieß: "Treu" und "Wahrhaftig". Er richtet und er kämpft im Einklang mit dem Gottesall. Seine Augen sind wie Feuerflammen, und auf seinem Haupt viele Kronen. Und er trug einen Namen, den niemand wusste als er selbst.  (Apokalypse 19, 11-13)

Was sind das für herrliche Tage, wenn überall rot und golden die Blätter vor einem blanken Himmel leuchten. Und wenn die Wege oft bedeckt sind wie mit einem goldenen Teppich!

Noch heute werden ja - wie schon in alten Zeiten - Teppiche auf Flughäfen und Bahnhöfen ausgerollt, wenn hohe Würdenträger oder Staatslenker erwartet werden: die roten Teppiche.

Wer jetzt zu seinen Füßen einen goldenen Teppich ausgebreitet sieht, der kann sich ruhig einmal fragen: Wird da vielleicht auch jemand erwartet - ein Würdenträger, ein König?

Du, Mensch, wirst erwartet, mit den Eigenschaften, die einen König ausmachen: bedeutend, dass er dem Geiste verpflichtet ist. So sich selbst treu. Der Mitwelt gegenüber unbedingt wahrhaftig.

Er, der vielfach Gekrönte auf dem Weißen Pferd, dessen Name ist "Treu" und "Wahrhaftig": Er lebt in der Treue und Wahrhaftigkeit. Aber nicht in irgendeiner, sondern in meiner. Er wird seine Kraft und Vollmacht entfalten können, wenn ich die Königstugenden übe: in Verantwortung gegenüber der geistigen Dimension des Daseins mir selbst treu. Das ist es, was meiner Wahrhaftigkeit Rückgrat gibt.