Evangelium und mein Leben

MICHAELI

Engelbert Fischer, Pfarrer in Graz

Und das Weib gebar ihr Kind, einen Sohn. Der soll der Hirte aller Völker sein  mit ehernem Stabe. Und das Kind wurde entrückt zu Gott an seinen Thron. Das Weib aber musste fliehen - in die Einsamkeit. Dort sollte sie leben dreieinhalb Jahre lang. - Da entbrannte ein Streit in den Himmeln. Michael und seine Engel kämpften, und der Drache kämpfte auch mit seinen Engeln. Aber er konnte nicht bestehen. Da wurde gestürzt der große Drache, die Schlange vom Urbeginn ...   (Apokalypse 12)

Aus den Himmeln vertrieben, gestürzt ist der große Drache - wohin aber? Auf die Erde. Zu uns. Und ist mit all seinen Künsten auch hinter uns her. Wir leben ja in Europa soweit ein ganz ruhiges und bequemes Leben, da zeigt er uns nur selten seine scharfen Zähne. Aber oft benebelt er unsere Gemüter, dass wir nicht mehr so genau wissen, was wirklich wichtig ist. Mal lenkt er mit kreidefeiner Stimme von den Aufgaben ab. Mal lehmt er die Seelen mit seinem Giftatem und umdüstert sie. Warum denn? Was will er denn, wenn er die Christgeburt in unseren Seelen doch nicht verhindern kann? 

Er will, dass der Neugeborene und an Gottes Thron Entrückte, möglichst dort BLEIBEN soll. Das er nicht eintreten soll in unsere - gewiss nicht ideale - "Behausung". Dass er kein "zu Hause" haben soll bei uns. Das will der Drache.

Da ist doch kein Wunder, dass echte Religion, dass der Weg zur - und dann in der - Weihehandlung so vielfältig umkämpft ist. Und wenn es gelingt, dass wir unsere Seelen erheben zu Gott und zu seinem Thron und unsere Liebe mitbringen zu ihm, dem Entrückten, dem Heranwachsenden - dann ist es ja vorläufig vielleicht nur erst ein Besuch dort. Aber immer mehr wird er dann auch zu uns "nach Hause" wollen und kommen, und dort - wie es jeder Heranwachsende zu Hause tut - alles verwandeln.