Wie Evangelium in mein Leben spricht

WENN EIN KREUZ ZU TRAGEN IST

Engelbert Fischer, Pfarrer in Graz

Wer unter euch ohne Verfehlung ist, der werfe den ersten Stein auf sie. Und bückte sich abermals nieder und schrieb in die Erde. Da sie das hörten, gingen sie davon, einer nach dem anderen, die Ältesten zuerst. Jesus blieb alleine zurück, die Frau in der Mitte stehend. Da richtete sich Jesus auf und sprach zu ihr: Weib, wo sind sie verblieben, deine Verkläger? Hat dich niemand verurteilt? Sie antwortete: Herr, niemand. Jesus aber sprach: Auch ich verurteile dich nicht. Gehe hin, und verliere dich von nun an nicht wieder.  (Johannes 8, 10)

Das haben wir zumeist ja schon gelernt: dass mit Vorwürfen und Steinwürfen - so berechtigt sie auch sein mögen - nichts wirklich zu ändern oder gar zu heilen ist. Nur: wie gehen wir eigentlich mit uns selber um, wenn wir die eigene Seele beim Verfehlen ertappen? Wenn Gedanken, Worte oder Taten sich selbständig machen, und der eigenen Führung sich entzogen? Wer dann nicht achselzuckend einfach wegschaut oder sich vor sich selber aus der Verantwortung herausredet - ist er dann oft nicht schlimmer als alle Pharisäer zusammen und mit Selbstvorwürfen und Steinwürfen bei der Hand?

Ein Christenmensch ist nicht unbedingt an guten Taten und sozialem Einsatz erkennbar. Das können auch viele andere - und oft besser. Am ehesten zeigt es sich daran, wie er mit sich selbst umgeht: stilles, klares Anschauen dessen, was unser Tun als Spur in die Erde schrieb, es anerkennen, und von da aus die weiteren Schritte suchen - das ist eine Äußerung des Lebens Christi in uns. So lernen wir unsere Kreuze zu tragen - mit Ihm.