Wie Evangelium in mein Leben spricht

IN DER JOHANNI-ZEIT

Engelbert Fischer, Pfarrer in Graz

Ihr selbst könnt bezeugen, dass ich sagte: Ich bin nicht der Christus, sondern vor ihm hergesandt. Wer die Braut hat, der ist der Bräutigam. Aber der Freund des Bräutigams, der steht und auf ihn hört, der freut sich hoch über des Bräutigams Stimme. Diese meine Freude ist nun erfüllt.  (Johannes 3,28)

Der Freund des Bräutigams war dazumal nicht irgendeiner von vielen, sondern er hatte ein Ehrenamt bei der Hochzeit. Im Dunkel der einbrechenden Nacht nämlich, wenn der Bräutigam kam, um die Braut im Brauthaus abzuholen, musste der Freund unter den vielen Stimmen in der finsteren Gasse die Stimme des Bräutigams heraushören und der Braut dann sagen: "Jetzt! Mach dich bereit! Er ist schon ganz nah!"

Die Stimme Christi kennenlernen und dann im Dunkel der Nacht erkennen können, kann in Stunden der Ratlosigkeit, Verwirrung und Verirrung lebensentscheidend werden. Denn wenn man in Not ist und nicht weiter weiß, dann reden ja viele Stimmen in der Seele durcheinander: verlockend und warnend, ablenkend oder bedrängend.

Nicht nur die Menschheit damals brauchte den Wegbereiter, der die Stimme des Bräutigams kannte. Auch wir heitigen können uns zu Freunden des Bräutigams machen, um im dunklen Durcheinander unserer Seele sagen zu können: "Jetzt! Das ist seine Stimme! Sei bereit!"