Wie Evangelium in mein Leben spricht

IN DER SOMMER-ZEIT

Engelbert Fischer, Pfarrer in Graz

Und Jesus kam in die Gegend von Cäsarea-Philippi. Und auf dem Wege fragte er seine Jünger: Was sagen die Menschen von mir, wer ich sei? Sie sprachen: Sie sagen, du seiest Johannes der Täufer, andere sagen: Elias, wieder andere: du seiest einer der Propheten. Da fragte er: Und Ihr, was sagt ihr?  (Markus 7,27)

Warum eigentlich haben damals nur so wenige den Christus in Jesus erkennen können? Was könnten wir heute besser machen, wenn er uns gegenwärtig wird?

Sicherlich waren da Erwartungen und Vorstellungen, denen er nicht so unbedingt entsprach. Aber die Antworten auf seine Frage: "Was sagen die Menschen von mir?" zeigen noch etwas anderes Hinderliches: Diese Aussagen sind ja richtig, wenn und solange sie nur beschreiben, was sie an ihm erleben konnten: Johannes der Täufer, Elias oder einen anderen Propheten. Denn deren Wirksamkeit war ja in seinem Wesen gegenwärtig. Aber dieselben Aussagen sind unzulänglich und daher falsch, wenn sie zum gültigen Urteil erhoben werden.

Wesens-Erkenntnis ist nie ein fertiges Ergebnis. Sie bleibt ein lebendiger Weg. Ein guter Lehrer fordert ja auch seinen Schüler auf: "Schau mal hin, was siehst du? Und schau noch einmal, was siehst du jetzt?" und weiß dann, worauf er vielleicht noch weiter aufmerksam machen muss.

Das ist, was wir heute besser machen können: bewusst werden, was wir an seiner Gegenwart erleben, und daran noch fragender und noch aufmerksamer werden!

Und üben können wir das auch unter uns: Wer ist das eigentlich, der da neben mir geht und steht? Ist mein Nachbar nicht noch viel mehr, als ich schon an ihm erlebte? - Durch solches stilles Üben können sich Urteile lösen und Seelenaugen wacher werden.