Wie Evangelium in mein Leben spricht

IN DER HERBST-ZEIT (September)

Engelbert Fischer, Pfarrer in Graz

Einer aber, als er gewahr wurde, dass er heilwurde, kehrte um, pries Gott mit lauter Stimme, kam und fiel auf sein Angesicht nieder zu Jesu Füßen und dankte ihm. Darauf antwortete Jesus: Sind ihrer nicht zehr rein geworden? Wo sind die neun anderen? ... Und er sprach zu ihm: Stehe auf und gehe hin! Dein Glaube hat dich erst ganz gesund gemacht.  (Lukas 17)

Wer auf seinem Lebenswege gelegentlich innehält und zurückschaut - nicht erst auf dem Sterbebett, da tun es alle; andere halten jeden Abend Rückschau - , der wird Entdeckungen machen. Etwa diese: wie viel ihm ohne sein zutun zugeflossen ist, was für Reichtum aus Begegnungen erwachsen konnte, welche kleinen Wunder ihm vor Augen kamen, trotz allem Schwierigen und Lastenden. Auch manche Behütung in Gefahr und letztlich weise Schicksalsführung werden offenbar werden. Vor solchem Blick wird echte Dankbarkeit lebendig.

Dankbarkeit ist noch nicht das, was wir als Kinder lernten - schön artig "Danke" sagen -, sie strömt zurück und kommt an, wenn der Urheber der Guten Gabe mit dem Blick gesucht wird: "Wo bist du?" Wenn der Heiler fragen muss: "Wo seid ihr, ihr neun anderen?", dann fragt er nach diesem Aufblick zu ihm. Denn erst diese Begegnung der Blicke vollendet die Heilung.

Um das Üben dieses Aufblickes geht es, wenn wir beten. Der Wille dazu ist aber oft nicht so stark, auch überlagert und umkämpft. Dann könnte man aber bedenken: Nicht nur wir fragen: Wo bist du? Sondern auch er fragt: Wo seid ihr?