Evangelium und mein Leben

IM ZUGEHEN AUF DIE MICHAELSZEIT

Engelbert Fischer, Pfarrer in Graz

Wer von euch könnte seines Lebens Länge auch nur eine Spanne zusetzen dadurch, dass er sich deswegen Sorgen macht? Warum also macht ihr euch Sorgen um die Kleidung? Lernet von den Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht und spinnen nicht, ich sage euch aber, dass selbst Salomo in all seinem Glanze nicht so schön gekleidet war wie eine von ihnen. Darum: Sorget nicht für den kommenden Tag!  (Matthäus 6)

Was kann das nur sein, was wir von den Lilien auf dem Felde lernen sollen? Eine locker-jugendliche Sorglosigkeit kann es ja wohl nicht sein. Denn zu oft schon hat sie in ein böses Erwachen geführt. Aber eines hat uns die Lilie voraus, sogar dem großen Salomo: dass nämlich ihre äußere Erscheinung in Blatt und Blüte ganz rein und unverfälscht Ausdruck ihres Wesens ist.

Können wir das lernen? Was ist dafür nötig?

Dafür ist dasselbe nötig, was wir als kleine Kinder alle gelernt und uns errungen haben: uns aufzurichten und auf eigenen Füßen zu stehen. - Dann haben wir gelernt, Schritte zu tun, erst an der Hand, dann selbst. - Und wir haben das Sprechen gelernt. Es gibt ja schon immer mal wieder Augenblicke und Stunden, wo uns das auf dem inneren Felde gelingt: Wo wir in voller Aufrichtigkeit und fest stehen. Wo wir Mut zu neuen Schritten im Leben fassen. Wo wir das sagen und einbringen, was uns im Innersten wichtig ist. In solchen Momenten kann der Atem der eigenen Zukunft Erlebnis werden. Da dämmert schon der große "Morgen", der kommende Tag herauf, der keiner weiteren Vorsorge bedarf, als dass ich geübt habe, ganz Ich selbst zu sein und daraus zu leben - im Erdenleben, wie auch danach.