Wie Evangelium in mein Leben spricht

IM JANUAR

Engelbert Fischer, Pfarrer in Graz

Jesus spricht zu den Dienern: Füllet die Krüge mit Wasser. Und sie füllten sie bis oben an. Da spricht er weiter: Schöpfet und bringt es dem Speisemeister zur Probe. Und sie brachten es ihm. Als aber der Speisemeister das Wasser kostete - da war es Wein. Er wusste aber nicht, woher es kam, die Diener wussten es, die das Wasser geschöpft hatten.    (Johannes 2,7)

Wie ist das - stehe ich dieser Szener nur als staunender Zuschauer gegenüber, oder komme ich darin vor? Und wenn, dann wo? Einer der Gäste, denen die Feierlaune vergeht, weil der Wein alle ist, bin ich vielleicht nicht. Und sicher nicht der Speisemeister, der sehr nüchtern mit feiner Zunge prüft, was man ihm bringt. Aber unter den Dienern kann ich mich finden, die das Wort "schöpft und bringt" hören - und es dann tun. Mit Mühe füllen sie die schweren Krüge an der Wasserquelle und tragen es mutig vor den Speisemeister, wo sie doch wissen, woher es stammt. Bestimmt sind sie die Letzten, die von dem Wandlungswunder etwas bemerken, denn genießen tun dann den Wein die Gäste, nicht sie.

Zugang finden zur Quelle, aus der das Wasser des Lebens strömt, bedeutet immer wieder Mühe und Arbeit, ohne den Genuss des Erfolgs-Erlebnisses. Wie aber soll das Wunder geschehen, wenn keiner geht das Wasser zu holen, und sich mutig mit seinem Wenigen der Mitwelt stellt?

Die Mitwelt darf und wird beurteilen, wohin unser religiöses Bemühen führt.