Evangelium und mein Leben

IM HINGEHEN AUF DIE PASSIONSZEIT

Engelbert Fischer, Pfarrer in Graz

Da mussten die Versuchermächte von ihm weichen, und er schaute die Engel,
wie sie zu ihm traten und ihm dienten.
  (Matthäus 4)

Nicht in innerster Einsamkeit, nicht im heiligen Tempel, nicht auf Bergeshöhen
ist man sicher vor den Versuchermächten. Sie finden auch dorthin.
Uns die schönsten Wahrheiten und Bibelzitate schützen nicht.
Denn zitieren kann der Versucher auch recht gescheit.
So ging es Jesus nach der Taufe im Jordan. Soll es mir etwa besser gehen?

Von Jesus musste damals dennoch des Widersachers Macht weichen. Warum?
Weil er sich rückhaltlos zu dem bekannte und in das hineinstellte,
was durch den Christus-Geist in sein Leben hereintrat.
Dadurch aber wurde zum ersten Mal offenbar:
Der Mensch kann etwas, was allen anderen Naturwesen in Freiheit nicht möglich ist. Der Mensch tut und kann das zwar noch durchaus nicht immer,
aber es ist ihm möglich geworden:

- Er kann sein Brot teilen und dadurch vermehren
- Er kann auf Besitztum verzichten, ohne dadurch ärmer zu werden
- Er kann Verantwortung übernehmen und muss nicht alles auf die
               Umstände schieben und die Rettung den Engeln aufladen.
- Warum erscheint mir den das geteilte Brot als mehr,
              sogar nährender, als das bloß  vervielfältigte?
- Warum habe ich denn ein Krafterlebnis, 
              wenn ich einen Verzicht geleistet habe?
- Warum wird denn mein so gern anklagender Mund so stille,
              wenn einer sich in seine Verantwortlichkeit stellt?
- Weil da für Augenblicke des Widersachers Macht genommen ist.
               Und weil der anwesend ist, dem die Engel dienen.